Gewaltfreie Kommunikation in Projekten

Wer kennt das nicht. Ein ursprünglich kleines Projekt wächst und wächst, das Projektteam wird immer größer und internationaler. Um Kosten gering zu halten, wir nur über Telefon, Email und Videokonferenzen kommuniziert. Was sich theoretisch leicht anhört, gestaltet sich in der Praxis oft als schwierig. Teilweise kennt man seine Projektkollegen nur über bestimmte Tools und Emails. Da man Personen nur sehr schwer einschätzen kann, wenn man sich nicht persönlich kennengelernt hat, besteht die Gefahr, dass die Kommunikation unter den einzelnen Projektteilnehmern sich zum negativen entwickelt. Witze werden nicht verstanden, Aufforderungen oder Anforderungen werden als zu ruppig verfasst aufgenommen. Das kann auch das Projekt negativ beeinflussen.

Abhilfe kann hier die gewaltfreie Kommunikation schaffen. Das Modell der gewaltfreien Kommunikation ist von Dr. Marshall B. Rosenberg entwickelt worden und besteht aus vier einfachen Schritten, die sehr logisch aufgebaut sind.

In dem Schritt Beobachtung werden dem Gegenüber mitgeteilt, welche Beobachtung und Wahrnehmung gemacht wurden ohne Beurteilung und Bewertung mitzuteilen. Wichtig ist das der Gegenüber dies als keine Kritik auffasst, auf die er entsprechend abwehrend reagieren würde.

Der nächste Schritt ist, das aussprechen der Gefühle (frustriert, genervt, irritiert, froh etc.), wenn bestimmte Handlungen zu beobachten sind. Hier ist zu beachten, dass niemand ein positives oder negatives Gefühl machen kann. Was andere sagen oder tun, ist der Auslöser für unsere Gefühle, es ist aber nicht die Ursache. Für unsere Gefühle sind wir selbst verantwortlich. Unsere Bedürfnisse sind die Ursache unserer Gefühle. Nicht Handlungen von anderen lassen uns Gefühle erleben, sondern unsere erfüllten oder nicht erfüllten Bedürfnisse. Haben wir Klarheit über unsere Bedürfnisse, können wir ganz konkrete Bitten an andere richten, die unsere Bedürfnisse erfüllen.

Im Schritt Bedürfnis, wird deutlich gesagt, welche Bedürfnisse hinter den Gefühlen stehen. ‚Mir ist es sehr wichtig, dass du pünktlich kommst.‘ Dieser Schritt ist sehr wichtig, da erst dann klar ist, durch welchen unerfüllt Bedürfnis die Gefühle entstanden sind und ein Weg gefunden werden kann, dies zu erfüllen.

Der letzte Schritt ist die Bitte, das unerfüllte Bedürfnis zu befriedigen. Diese muss jedoch nicht zwingend erfüllt werden. Die Bitte ist als Lösungsversuch anzusehen. Wenn der Gegenüber gegenläufige Bedürfnisse hat, kann es sein, dass es nicht erfüllt wird. Ein nächster gemeinsamer Klärungsprozess wird notwendig. Dabei ist die Bitte insofern nützlich, da sie eine Kommunikation über gegenseitige Bedürfnisse angestoßen hat.

Die gewaltfreie Kommunikation zeigt einen machtvollen Weg, mit Menschen umzugehen und nicht einen Weg, Macht auf Menschen auszuüben. Ziel ist um eine Veränderung zu bitten und nicht zu fordern.

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