PMO ist wie beim Fußball (Teil 2)

Letzte Woche ging’s in meinem PMO-Blog um die Rollen des Schiedsrichters beim Fußball und des Project Management Office als notwendige Organe zur Durchsetzung geltender Spielregeln. Beide haben häufig nicht den besten Ruf, aber ohne sie funktioniert das Spiel einfach nicht. In diesem Beitrag schreibe ich von einer dankbareren Rolle im Fußball wie in der Projektarbeit: dem Trainer.

Über die vergangenen 150 Jahre war Arbeit im Unternehmen vornehmlich in klassisch-hierarchischen Strukturen organisiert. Projektarbeit fordert diese Organisationform heraus, indem Mitarbeiter über die etablierten Bereichs- und Abteilungsgrenzen hinweg in gemeinsamen Teams zusammenarbeiten. Dabei konkurrieren Projekte in den meisten Unternehmen mit der Stammorganisation um die verfügbaren Mitarbeiter. Projektarbeit wird immer wichtiger, und praktisch alle Unternehmen müssen Lösungen für diese vergleichsweise neue Herausforderung finden.

Es ist ein bisschen so wie damals in den frühen 1990er Jahren, als im Fußball die moderne Viererkette die klassische Verteidigung mit Libero ablöste. Die innovativen Trainer internationaler Top-Mannschaften organisierten ihre Defensivspielweise neu und erzielten dadurch für einige Zeit Wettbewerbsvorteile gegenüber den weiterhin klassisch organisierten Defensivreihen vieler Teams. Heute ist die Viererkette die häufigste Aufstellung der Verteidigung im Fußball. Selbst im Profifußball dauerte es nahezu ein Jahrzehnt, bis dieses System von den meisten Mannschaften erfolgreich gespielt werden konnte. Ähnliches beobachten wir derzeit in Unternehmen beim Wandel von einer starken Linienorganisation hin zu größerer Projektorientierung.

Trainer für die Mannschaft
Die meisten Unternehmen im deutschsprachigen Raum stehen noch am Anfang dabei sich an die immer bedeutender werdende Koexistenz von Projekt- und Stammorganisation zu gewöhnen. Und hier kommt dem PMO eine ganz zentrale Rolle zu. Aus der Praxis wissen wir: Ohne die Unterstützung eines professionellen Trainers wird diese Umstellung schwierig und vielfach äußerst konfliktbehaftet ablaufen.

Eine der Kernaufgaben von PMOs ist die Kompetenzentwicklung der Organisation im Projektmanagement. Wenn Sie Ihre Projekte schneller, profitabler und erfolgreicher machen wollen, müssen Sie in professionelle Strukturen ebenso investieren wie in die Qualifizierung Ihrer Mitarbeiter.

Das PMO als Fachbereich für Projektmanagement ist der ideale Trainer, um die Mitarbeiter im Projektmanagement systematisch voranzubringen – und dem Unternehmen dadurch entscheidende Wettbewerbsvorteile zu sichern. Ob von der Entwicklung anforderungsspezifischer Weiterbildungskonzepte, der regelmäßigen Durchführung von Trainings, einem professionellen Onboarding für neues Personal, dem individuellen Coaching der unterschiedlichen Rollen der PPM-Organisation bis hin zur Einführung eines Karrierepfads für Projektarbeiter einschließlich der einschlägigen Zertifizierungen… – als Trainer der „Mannschaft“ hat das PMO einen enormen Hebel zur Professionalisierung der Projektarbeit im Unternehmen. Denn seien wir ehrlich: Vielen Mitarbeitern, die in der klassischen Linienorganisation sozialisiert worden sind, ist professionelles Projektmanagement noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen…

Und so geht’s weiter
Gut ausgebildete Leute sind ein zentraler Baustein für erfolgreiche Projekte. Genauso entscheidend ist aber, dass die organisationalen Voraussetzungen stimmen, damit Projekte maximal auf den Unternehmenserfolg einzahlen können. Hier kommt dem PMO als Hüter und Gestalter der Spielregeln quasi die Rolle des Dachverbands im Fußball zu. Mehr dazu und zur einfachen Nutzenargumentation für PMOs im dritten Teil dieser Reihe kommende Woche.

Hinterlassen Sie einen Antwort

Navigate