Warum italienische Momente im Projekt wichtig sind

Italien
Ich hatte das unglaubliche Glück, meine (Projekt-)Karriere als Leiter eines großen SAP Einführungsprojekts in Mailand/Italien beginnen zu dürfen. Nun dürfte mittlerweile allgemein bekannt sein, dass Arbeiten in Italien nur sehr am Rande etwas zu tun hat mit Urlaub-Machen in Italien. Und nicht von ungefähr habe ich mich nach Abschluss des Projekts auch wieder für eine Rückkehr nach Deutschland entschieden (besser gesagt: meine Frau hat …) Aber ein paar wesentliche Dinge habe ich mitgenommen und seitdem auch nicht mehr vergessen:
1. Wirklich wichtige Entscheidungen werden nicht im Büro oder im Meeting getroffen. Dazu verabredet man sich am besten zum Mittag- oder noch besser zum Abendessen.
2. Abstand hilft. Wenn es in einer Diskussion oder einem Meeting mal wieder gar nicht weiter gehen mag, hilft fast immer eine Unterbrechung und der gemeinsame Gang in ein Café. Da trinkt man gemeinsam einen Espresso (oder zumindest bis zum Mittagessen) einen Cappuccino, spricht über Fußball oder die Familie und staunt nach Wiederaufnahme des Meetings, wie leicht sich doch die allermeisten Themen lösen lassen.
3. Wissensaustausch by Kaffeemaschine. Geht in eine ganz ähnliche Richtung wie 2.: Die weitaus beste Investition ist die in eine gute Kaffee-Maschine oder sogar in eine professionelle Espresso-Bar. Der Intensität, mit der da Informationen, Wissen, Erfahrungen etc. ausgetauscht werden, kann von keinem Wissensmanagement-System der Welt auch nur annähernd erreicht werden
4. Mittags-Ruhe steigert die Gesundheit und die Leistung. Leider gerät dieser wunderbare Brauch auch Italien immer mehr in Vergessenheit: Wer mittags eine Stunde ruht, schläft, döst, träumt, … ist nachweislich gesünder und leistungsfähiger. Und zumindest das Mittag-Essen als Pause nutzen. Schnell etwas am Schreibtisch hinunter zu schlingen ist eine nicht tolerierbare Selbst-Missachtung.
5. Ab und zu müssen Emotionen raus. Auch das haben wir uns im Lauf der (Berufs-)Jahre abtrainiert: Zu sagen, was wir (wirklich) meinen und denken. Oft ist das auch besser so. Ab und zu aber eben auch nicht. Da hilft es, offen und ehrlich seine Meinung zu sagen und das vielleicht auch mal etwas emotionaler, als sonst
6. Für die „Italienischen Momente“ im Leben sorgen. Das ist mit Abstand die wichtigste Lektion, die ich gelernt habe: Nicht immer alles so wahnsinnige ernst und wichtig nehmen, sich ab und zu zurücklehnen und den Augenblick genießen. Fast alles funktioniert mit einem etwas enspannteren Blick auf die Dinge besser …

1 Comment

  1. …schöne Eindrücke, die mich an meine italienischen Projekte erinnern und die ich genau so erlebt habe. Wenn man dann als Deutscher noch lernt z.B. „domani“ richtig zu deuten (nicht wirklich „morgen“, sondern „demnächst … irgendwann einmal“) und man damit entsprechend im Projekt umzugehen weiss, können wir von der italienischen „dolce vita“ Mentalität viel, viel lernen. War eine schöne Zeit…

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