Warum Projekte Organisationen stören

Jede (oder zumindest die allermeisten) Organisationen beruhen auf einer klaren Verteilung von Macht und Einfluss. Sie funktionieren also auch deshalb, weil sich jeder an die über Jahrzehnte gelernte Verteilung von Einfluss und Macht gewöhnt hat und innerhalb dieses System seinen Platz gefunden hat.

IN diese eingespielte Umgebung kommt nun das Konstrukt des Projekts. Das per Definition die gelernten Regeln der Macht aushebelt: Hierarchie spielt hier eine untergeordnete Rolle, der Projektleiter führt sein Team (ohne echte Führungsverantwortung und den damit verbundenen Möglichkeiten) für die Zeit des Projekts. Dieses meist nur sehr rudimentär beschriebene Verhältnis soll jetzt ein über Jahrzehnte gewachsenes und gelerntes Gleichgewicht ersetzen. Das funktioniert in den allermeisten Fällen nicht oder schlecht.
Und um das abzufangen, versuchen dann die meisten Projekte mehr oder weniger verzweifelt, die bestehenden Organisations- und Machtstrukturen in ihrem Projekt ab- und nachzubilden. Reisige Lenkungskreise (vollkommen entscheindungsunwillig und -fähig) werden nur deshalb so gestaltet, weil man ja „Herrn X und Frau Z auf jeden Fall noch irgendwie mit einbinden muss“. Auf die vorsichtige Nachfrage, was genau die Herrschaften mit dem Projekt zu tun haben, erntet man ein trauriges Schulterzucken verbunden mit der Erklärung, dass man darauf halt Rücksicht nehmen müsse.
Natürlich würde das niemand so zugeben oder bestätigen. Offiziell treten persönliche Eitelkeit und das Macht-Gefüge einer Organisation natürlich gerne hinter den Belangen der Projekte zurück. Aber hinter den Kulissen tobt genau dieser Kampf, ausgetragen auf dem Rücken des Projektleiters.

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